Story Mapping
Requirements EngineeringEine Methode, Anforderungen entlang des Weges der Nutzer anzuordnen: oben die Schritte, darunter die Details nach Wichtigkeit. So sieht ein Team das ganze Produkt auf einen Blick – und schneidet sinnvolle Lieferstufen.
Ein Backlog ist eine Liste, und Listen verlieren den Zusammenhang. Die Story Map, bekannt gemacht von Jeff Patton, gibt ihn zurück. Waagerecht stehen die Schritte, die ein Nutzer durchläuft – suchen, auswählen, bestellen, bezahlen, verfolgen. Senkrecht darunter hängen die Anforderungen zu jedem Schritt, die wichtigsten oben.
Zieht man nun eine waagerechte Linie, entsteht eine Lieferstufe: Alles darüber gehört zur ersten Version. Das Entscheidende daran ist, dass diese Version durchgängig ist – sie deckt den ganzen Weg ab, nur überall schmal. Das verhindert den klassischen Fehler, einen Schritt zu vergolden, während ein anderer noch fehlt.
Eine Story Map entsteht im Workshop an einer Wand oder auf einem digitalen Whiteboard, meist in zwei bis vier Stunden. Der Nebeneffekt ist fast wichtiger als das Ergebnis: Alle Beteiligten erzählen sich das Produkt einmal vollständig. Lücken fallen auf, weil jemand fragt: „Und was passiert danach?“
Ich setze die Methode besonders gern zu Projektbeginn ein, wenn Auftraggeber eine lange Funktionsliste mitbringen. Die Map verwandelt die Liste in eine Geschichte – und macht die Diskussion über den ersten Lieferumfang sachlich. Statt „Was streichen wir?“ heißt die Frage: „Was braucht der Nutzer mindestens, um ans Ziel zu kommen?“
Ersetzt die Story Map das Backlog?
Nein, sie ergänzt es. Die Map zeigt Zusammenhang und Lieferstufen, das Backlog die Reihenfolge der Umsetzung. Viele Teams pflegen die Map als Überblick und leiten das Backlog daraus ab.
Für welche Projekte eignet sich Story Mapping?
Für alles, bei dem Nutzer einen Weg durchlaufen: Shops, Portale, Buchungssysteme, interne Anwendungen. Für rein technische Vorhaben ohne Nutzerablauf ist sie weniger geeignet.