Heuristische Evaluation

UX

Eine Expertenprüfung der Bedienbarkeit: Fachleute gehen eine Oberfläche anhand bewährter Grundsätze durch und benennen Probleme. Schnell, günstig und ohne Testpersonen möglich.

Die Methode geht auf Jakob Nielsen und Rolf Molich zurück. Grundlage sind meist Nielsens zehn Heuristiken – etwa: Sichtbarkeit des Systemzustands, Übereinstimmung mit der realen Welt, Fehlervermeidung, Wiedererkennen statt Erinnern, Hilfe beim Erkennen und Beheben von Fehlern.

Die Prüfer arbeiten zunächst unabhängig voneinander, notieren jedes Problem mit Fundstelle, verletztem Grundsatz und Schweregrad und führen ihre Listen erst danach zusammen. Drei bis fünf Fachleute finden gemeinsam den Großteil der Schwächen; eine einzelne Person findet deutlich weniger.

Die Stärke der Methode ist die Geschwindigkeit: Eine Website oder Anwendung lässt sich in ein bis zwei Tagen durchleuchten, auch schon als Prototyp. Ihre Grenze ist der Blickwinkel – Experten sind keine Nutzer. Sie erkennen Verstöße gegen bewährte Regeln, aber nicht, dass Ihre Kunden ein Fachwort nicht verstehen.

Ich setze sie deshalb als ersten Schritt ein, nicht als einzigen. Die Evaluation räumt die offensichtlichen Probleme ab, sodass ein anschließender Test mit echten Nutzern seine Zeit nicht mit unleserlichen Schaltflächen verbringt, sondern die wirklich interessanten Fragen beantwortet.

Ersetzt eine heuristische Evaluation den Usability-Test?

Nein, sie ergänzt ihn. Die Evaluation findet Regelverstöße schnell und günstig; nur der Test mit echten Nutzern zeigt, ob Menschen ihr Ziel tatsächlich erreichen.

Wie werden die gefundenen Probleme bewertet?

Üblich ist eine Skala von kosmetisch bis kritisch, bewertet nach Häufigkeit, Auswirkung und Hartnäckigkeit. Entscheidend ist die gemeinsame Rangliste – sie macht aus hundert Beobachtungen einen Arbeitsplan.

  • Heuristiken
  • Nielsen
  • Expertenreview
  • Usability